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Kimko: Das Kunstprofil intermediale Kommunikation in Baden- Württemberg

Selfie der Vergangenheit: Das Portrait

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Ein Selfie, das ist uns allen bekannt. Stellen wir uns zusammen doch mal folgende Situation vor: Wir sind auf einer tollen Geburtstagsfeier von einem guten Freund. Wir amüsieren uns herzlich und wollen gerne eine Erinnerung an diesen Abend behalten. Was tun wir dann? Ich persönlich zücke mein Handy und schieße ein cooles Bild von mir, im Hintergrund natürlich die coole Party. Ganz schön praktisch, oder? Ein klick und der Moment ist auf meinem Handy abgebildet. Eigentlich auch schon ganz normal für uns. Doch stellt euch einmal vor, es wäre nicht so einfach. Stellt euch vor, ihr hättet keine Möglichkeit zu fotografieren. Und damit herzlich willkommen zum heutigen Blogartikel.  Ich möchte euch vorstellen, wie man einen Menschen darstellen kann, ohne die Möglichkeit zu besitzen, einfach ein Foto zu schießen. In einer Zeit, in der dies nicht möglich war, der Renaissance.

Zunächst ist es wichtig zu wissen, was ein Portrait überhaupt ist. Unter einem Portrait versteht man die künstlerische Darstellung eines Menschen, welche die Persönlichkeit der abgebildeten Person darstellen soll. Es ist in Form eines Gemälde, einer Fotografie oder einer Zeichnung, aber auch als Skulptur oder Plastik möglich und soll Andenken bewahren oder auch den nicht Anwesenden vertreten. Im Laufe der Kunstgeschichte ändert sich die Form eines Portraits. Wir schauen uns heute anhand der folgenden Abbildung an, wie ein typisches Portrait der Renaissance aussieht.

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Dieses Werk wirkt doch sehr beruhigend, oder nicht? Also ich finde, es wirkt viel beruhigender als die meisten Selfies, die in totaler Eile entstehen. Das vorliegende Werk trägt den Namen „Ginevra de` Benci“ und wurde zwischen 1474 und 1478 von Leonardo da Vinci mit Öl auf Leinwand gemalt. Es ist 42cm mal 37 cm groß und in der National Gallery of Art in Washington, D.C. ausgestellt. Das Portrait zeigt eine Frau bis zur Schulter, also in einem Schulterstück, vor einer schönen Landschaft. Mittig im Bild steht die Frau im Vordergrund, ein weinig nach links gewendet aber mit dem Blick frontal. Auf ihrem Kopf erkennt man zusammengebundene, lockige, goldbraune Haare. Goldbraun sind auch ihre Augen, welche ein wenig müde wirken, da sie sehr klein sind. Müde wirkt auch ihr Gesichtsausdruck, da sie ihre Mundwinkel locker ein wenig nach unten hängen lässt. Ihr Blick wirkt nicht gekünstelt, eher natürlich. Ebenso natürlich wirkt ihre Kleidung, welche aus einem schlichten, goldbraunen Gewand und einer dunkelbraunen Art Weste besteht. Die Körperhaltung der Person ist entspannt, da sie locker die Schultern hängen lässt. Im Hintergrund ist eine idyllische Landschaft zu sehen. Die linken zwei Drittel des Hintergrundes bestehen aus bräunlichen, großen Bäumen. Im linken Drittel ist ein See zu erkennen, in dem sich ein weiterer Baum spiegelt. Es ist ein wenig Himmel zu erkennen, an dem ein Sonnenuntergang zu erahnen ist.

In diesem Portrait sind keine Werkspuren zu erkennen. Es wurde sehr glatt gemalt, ohne jeglichen Pinselduktus. Dadurch wirkt das Portrait ordentlich und genau. Seht euch beispielsweise die Haare der Frau an. Sie sehen doch total fein und genau gemalt aus, stimmt`s? Das Werk wurde  valeuristisch gemalt, mit monochronem Farbkonzept. Dies ist an den vielen, feinen Abstufungen der Farbe Braun in den Haaren der Frau, ihrem Gewand und den Bäumen gut zu erkennen. Licht und Schatten wird dabei gut betont und lassen das Bild räumlich wirken. Zudem wirkt es einheitlich und ruhig, was denkt ihr? Die verwendeten Farben werden stark getrübt und gedämpft. So beispielsweise der Himmel, der in einem gedämpften Blau gehalten ist. Dadurch wirken die Farben weich und nicht so intensiv, viel naturgetreuer. Die verwendeten Farben sind großteils Erscheinungsfarben. so zum Beispiel die Braunen Bäume, welche nicht wahrhaftig braun sind, sondern nur durch die Lichtverhältnisse braun wirken. Das Portrait wirkt somit realistischer, könnt ihr das erkennen?

Schaut euch die Figur einmal genauer an. Ihre Körperhaltung wirkt total entspannt. Sie scheint zu sitzen und lässt die Schultern locker hängen. Die Kleidung der Person besteht aus einem braunen Oberteil, welches auf ein Alltagskleid hindeutet. Oben ist es kaum von ihrer Hautfarbe am Hals zu unterscheiden. Ab der Mitte ihres Dekoltes erkennt man einen braunen Stoff, welcher mit einer blauen Schnur in der Mitte zusammen geschnürt ist. Um ihren Hals liegt ein schwarzes Band, vermutlich von einer Art Schürze. Insgesammt wirkt die Kleidung durch die Brauntöne und die alltägliche Form sehr schlicht und durch Details wie die Schnur sehr wahrheitsgetreu. Schauen wir uns nun einmal das Gesicht der Person genauer an. Ihre Augen sind klein und nicht sehr weit geöffnet. Ihre Mundwinkel hängen ein wenig nach unten. Dadurch wirkt die Frau sehr entspannt und nicht verstellt. Nicht nur die Schattierungen im Gesicht sind sehr präzise gemalt, wie an ihrer linken Backe, sondern auch die Proportionen wurden sehr genau beachtet. Das lässt die Person sehr plastisch und real wirken.  Auch ihre goldbraunen Haare wurden ganz detailiert und fein mit Löckchen verziert. Das löst die streng nach hinten gebundene Frisur und lässt die Person verspielter wirken. Insgesammt wirkt ihr Kopf sehr natürlich und entspannt, und vor allem sehr wahrheitsgetreu.

An diesem Portrait erkennt man sehr viele Merkmale eines Portraits der Renaissance. Zunächst kommen wir auf die genaue Darstellungsform und die vielen Details zurück. Die Person wurde fast schon perfekt dargestellt. Dies ist sehr typisch für die Renaissance, da die Künstler sehr viel Wert auf richtige Proportionen legten und das Dargestellte so perfekt wie möglich darstellen wollten. Das ist in diesem Bild doch super gelungen! Die Kleidung der Person verrät uns viel über ihren gesellschaftlichen Stand. Ihre Kleidung wirkt recht einfach und sie hat einen sehr natürlichen Gesichtsausdruck. Zudem befindet sie sich in einem natürlichen Umfeld. Das lässt vermuten, dass sie nicht adelig oder heilig war, sondern eine normale Frau. Erst ab der Renaissance war es überhaupt üblich, auch Portraits von normalen, wenn auch wohlhabenden Bürgern zu malen.

Und jetzt nochmal zurück zu unserem Selfie. Es ist doch schon beeindruckend, wie viel Aufwand hinter solch einem Bild steckt, auf was man achten muss, und was wir hier analysiert haben ist nur ein kleiner Teil. Ich bin wirklich froh, die Möglichkeit zu besitzen, mit einem Knopfdruck ein Portrait von mir zu schießen:

Beitragsbild und Bild1: Von Wilhelm Walther, CC-BY-SA 4.0, Link

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Bild2:Von Leonardo da Vinci9QEdQ-BD4WEqPQ at Google Cultural Institute maximum zoom level, Gemeinfrei, Link Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Text Quelle: Kimko- Ordner

Autorin: N.M. (Schülerin)

 

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