Kimko bloggt

Kimko: Das Kunstprofil intermediale Kommunikation in Baden- Württemberg

Pablo Picasso – Ein trauriger Künstler?

Hallo zusammen,

Pablo Picasso wurde am 25. Oktober 1881 in der Hafenstadt Málaga in Spanien geboren. Er war ein renommierter spanischer Maler, Grafiker und Bildhauer und entzückte mit seinen rund 50.000 Werken die ganze Welt. Seine außerordentliche Künstlerlaufbahn begann mit seinen Werken aus der Blauen und Rosa Periode, die die monochrome Farbigkeit in den Vordergrund stellte. Die blaue Periode ging von 1901 bis 1904, die rosa Periode wiederum von 1904 bis 1906. Das Werk „Der alte Gitarrenspieler“, welches von 1903 bis 1904 entstand, somit der blauen Periode zuzuordnen ist, stelle ich euch heute in Form einer Werkbetrachtung vor.

Vorerst möchte ich euch ein paar Informationen über das Werk geben. Das 1,23 m x 83 cm große Gemälde zeigt einen einsamen, alten, mageren und scheinbar traurigen Mann mit einer Gitarre in der Hand. Dieses malte Picasso in der Zeit des Expressionismus mit Öl auf eine Leinwand und heutzutage ist es im Art Institute of Chicago als Teil der Helen Birch Bartlett Memorial Collection ausgestellt.

old-blind-guitar-player-pablo-picasso-when-i-think-famous-monochromatic-paintings.jpg

BESCHREIBUNG:

Zu sehen ist, wie vorhin schon kurz erwähnt, eine mittig im Bild positionierte annähernd realistisch gemalte Figur eines alten, mageren und zerbrechlichen Mannes, erkennbar an den deutlich zu sehenden Knochen, wie zum Beispiel seinen Wangenknochen, der auf dem Boden sitzend eine braune Gitarre in seinen Händen hält. Die Gitarre, die von der Bildmitte nach rechts oben ragt, stützt er wiederum auf seinen gekreuzten Beinen und seine Hände hält er positioniert an der Gitarre. Sein Rücken scheint leicht verdreht und seine vom Betrachter aus gesehene rechte Schulter streckt sich weit in die Höhe. Die linke Schulter hängt dadurch weit nach unten und sein Kopf ist um 45° nach unten geneigt. Somit ist seine Blickrichtung direkt auf den Boden gerichtet. Der Mund des Mannes ist leicht geöffnet, seine Augen jedoch scheinen geschlossen zu sein. Es sieht so aus als säße er auf dem nackten Boden vor einer Mauer, die ein Fenster besitzt, wodurch man einen Blick in den Horizont wagen kann. Der Mann trägt einen dünnen Fetzen Kleidung, welcher schon an einigen Stellen Löcher aufweist, wie zum Beispiel an der Schulter. Zudem bedeckt das Kleidungsstück nicht seinen kompletten Körper, sondern es ist an vielen Stellen zu kurz für den Mann. Generell ist alles in dem Gemälde in verschiedenen Blautönen gehalten worden, nur einzig und allein die Gitarre wurde von der blauen Farbe verschont. Auch anzumerken ist, dass das Bild mithilfe des Goldenen Schnitts gemalt wurde. Die verschränkten Beine befinden sich im untersten Drittel, die Gitarre bzw. der Korpus der Gitarre und der Bauch im mittleren Drittel und der geneigte Kopf im obersten Drittel.

ANALYSE:

In der Analyse meiner Werkbetrachtung werde ich gezielt auf die Farbe und die Figur eingehen, da diese zwei Punkte in dem Werk sehr essenziell für die finale Wirkung sein werden.

Farbe:

Picassos Gemälde ist sehr monochrom gehalten, nicht zuletzt an der überwiegend vorhandenen blauen Farbe zu erkennen. Nicht umsonst gehört das Gemälde zur blauen Periode, welche anhand von dem Wort „blauen“ vermuten lässt, welche Farbe überwiegend verwendet wird. Jedoch sticht ein Gegenstand heraus, welcher nicht blau, sondern braun ist – und zwar die Gitarre. Dadurch wird der Fokus auf die Gitarre gelenkt. Zudem bringt die braune bzw. leicht orangene Farbe des Korpus ein wenig Wärme in das sonst sehr kühl wirkende Bild. Die Farben sind alle sehr trüb, wodurch das Gemälde noch trauriger wirkt als es schon ist. Blau wurde jeweils immer mit Weiß oder Schwarz gemischt um Helligkeitsunterschiede zu bekommen und somit Abstufungen zu erhalten, um alles in dem Gemälde voneinander unterscheiden zu können. So wurde die Haut des Mannes in einem hellen Blauton gemalt. Die Haare und das Gesicht wurden in einem noch helleren Blauton gemalt, was dem Gesicht Blässe verleiht und die Haare alt wirken lässt – deuten somit auf das Alter des Mannes hin. Der Himmel wurde wiederum in einem intensiven Blauton gemalt und die Kleidung besitzt neben der Mauer und dem Boden einen sehr dunklen Blauton, wodurch die drei Sachen leicht ineinander übergehen. Das ganze Blau wirkt sehr melancholisch und soll eventuell ausdrücken, dass es sich für ihn um ihn herum sehr eintönig anfühlt und er keine bunten Farben mehr wahrnehmen kann bzw. möchte. Alles scheint für ihn uninteressant durch den Blick nach unten und er scheint völlig erschöpft, vielleicht steht er auch kurz vor dem Tode.

Ungewöhnlich ist, dass die Farbe Blau, die in diesem Gemälde mehr als genug vorhanden ist, eigentlich etwas komplett anderes bewirkt und nicht unbedingt zur Stimmung des Mannes passt. Denn Blau wirkt entspannend und beruhigend, steht für Frieden, frische, Harmonie, Zufriedenheit und wirkt zudem kühl. Einzig und allein das „kühl“ würde Sinn ergeben, doch der Rest ist eindeutig nicht auf den alten Mann zuzuordnen.

Der einzige Kontrast der vorhanden ist, ist der Komplementär-Kontrast zwischen dem Blau und Braun, welches auch auf dem Korpus der Gitarre als Orange wahrgenommen werden kann. Zudem wurden die Farben durchaus deckend auf die Leinwand aufgetragen.

Figur:

Bild.png

Die Beine des Mannes sind überkreuzt, was den verschränkten Armen hinsichtlich der Bedeutung sehr ähnlich ist. Es strahlt ein gewisses defensives und weniger bewusstes Auftreten aus. Wie bei verschränkten Armen kann es auch Traurigkeit ausstrahlen. Zudem machen gekreuzte Beine einen Menschen bewegungsunfähig, was bedeuten könnte, dass der Mann auch nicht vor hat sich von dem Ort zu distanzieren und somit nicht bereit ist weiter zu gehen, bezogen auf seine noch bevorstehende Lebenszeit.

Seine Körperhaltung ist locker, fast schon zu locker, was ausdrücken könnte, dass der Mann sich nicht mehr mit eigener Kraft aufrecht halten kann. Und seine Körperachse beginnt am Oberkörper sehr krumm zu werden – somit wirkt das Ganze eher unruhig. Sein Kopf bildet eine horizontale Linie die undynamisch im Gegensatz zum Rest des Bildes wirkt. Ausdrücken könnte dieser stark geneigte Kopf ebenso Erschöpfung des alten Mannes und dass er vielleicht in sich versunken ist.

Wenn man beide Arme des Mannes verlängert treffen sich die Linien ca. am Kopf der Gitarre. Von diesem Punkt aus könnte man die Linien bündeln, diese würde dann nach oben weiterlaufen. Und da man mit „oben“ auch Gott assoziieren könnte, könnte es darauf hindeuten, dass er an Gott denkt und ihn um Hilfe in seiner schwierigen Lage bittet.

INTERPRETATION:

Höchstwahrscheinlich stellt sich Pablo Picasso in gewisser Weise selbst im Bild dar. Zur Zeit der Blauen Periode brachte sich ein guter Freund von Picasso selbst um und darüber war er anscheinend so traurig, dass er entschloss, keine fröhlichen Bilder mehr malen zu wollen. Er verfiel in große Depressionen und darüber hinaus war Picasso zu dieser Zeit ein Niemand im Kunstgenre. Kaum einer kannte ihn und erst recht wollte keiner seine seltsamen, mit Traurigkeit vollgepackten Bilder kaufen. Durch diese Ereignisse kam es dazu, dass Picasso seine ganze Trauer in melancholische Bilder steckte um den Tod seines Freundes und seine eigene arme Situation verarbeiten zu können, da er wohl keine Bezugsperson hatte mit der er darüber reden konnte. Somit malte er in dieser Zeit fast nur Bilder von einsamen, armen und unglücklichen Menschen. Die gesamten gedämpften blauen Farbtöne sollen allgemein die Melancholie akzentuieren und somit die tragische und traurige Thematik in den Fokus stellen. Durch die Darstellung eines alten, einsamen, mageren und zerbrechlichen Mannes wollte Picasso eventuell sein Leid und Elend zu dieser Zeit widerspiegeln. Durch den Fokus auf der Gitarre, der durch die signifikante unterschiedliche Farbe Braun erzeugt wird, wird die Gitarre zum einzigen Gegenstand für ihn im Bild, welcher ihm noch Hoffnung und Überlebenswillen gibt, da er vielleicht die Musik über alles zu lieben scheint.

Abschließend kann man sagen, dass dieses Gemälde die natürlichen Schicksalsschläge, in diesem Fall der Tod seines Freundes, und Rückschläge in der Karriere, in diesem Fall dass keiner seine Bilder kaufen wollte, ausdrücken soll. Es war einfach nur ein Abschnitt Picassos Lebens in der er völlig am Boden zerstört war und er in irgendeiner Weise seine große Trauer zum Ausdruck bringen wollte. Doch schon nach dieser Blauen Periode wandte sich Picassos Leben wieder zum Guten und er fing an, farbenfrohe und fröhliche Bilder zu malen. Die Blaue Periode prägte somit in gewisser Weise seine von dort aus weitergehende Künstlerlaufbahn.

Autor: Steiv (Schüler)

Bildquelle: Von Pablo Picasso – Art Institute of Chicago, Link

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Advertisements

Hier kommentieren!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Artikel zu erhalten.

Schließe dich 66 Followern an

Dejan Mihajlovic

BILDUNG VON MORGEN HEUTE SCHON DENKEN

Projekt-Ratgeber

Projekte können nützlich und erfolgreich sein. Erfahrungen helfen.

Learning by Moving

Zweijähriges Tanzprojekt des Theater Freiburg mit der Vigelius-Grundschule

kunstkrempel

kunst und krempel und die möglichkeiten und unmöglichkeiten von schule und kunst und anderem krempel

Histoproblog - Geschichte macht Schule

Lernplattform für das Fach Geschichte - vielen Dank für über 1,6 Mio. Aufrufe!

Kimko bloggt

Kimko: Das Kunstprofil intermediale Kommunikation in Baden- Württemberg

LernenHeute.blog

Lernen und Unterrichten in der Berufsschule

Schule Social Media

Blog von Philippe Wampfler

LernLabBerlin

Praxistag für mobiles Lernen im EduCamp13

%d Bloggern gefällt das: