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Kimko: Das Kunstprofil intermediale Kommunikation in Baden- Württemberg

Ein über 500 Jahre altes Selbstbildnis

„Das malt‘ ich nach meiner Gestalt. Ich was sex und zwanzig Jor alt“, schrieb einer der bedeutensten Maler der Renaissance –Albrecht Dürer 1498 als Innschrift in sein beeindruckendes Selbstportrait.

In meiner Werkbetrachtung, beschäftige ich mich mit diesem über 500 Jahre alten „Selbstbildnis„, das heute noch ein Publikumsmagnet im Museo Nacional del Prado in Madrid ist. Das Tafelgemälde, welches im Hochformat mit Ölfarbe auf Holz gemalt wurde, hat eine Größe von 52cm*41cm.

Kommen wir nun zum ersten Teil meiner Werkbetrachtung, der Bildbeschreibung.  Dürer zeigt auf dem Gemälde seinen ganzen Oberkörper. Er steht im Fokus und ist dem Betrachter im Dreiviertelprofil zugewandt.  Auf dem Gemälde trägt er eine schwarz-weiß gestreifte Zipfelmütze mit Fransen. Über dem weißen Hemd, mit der goldenen etwas rötlich schimmernden Borte, trägt er eine weiße Weste mit schwarzen Applikationen an den Ärmeln. Darüber trägt er einen bräunlichen Umhang, welcher mit zwei schwarz-weiß geflochtenen Kordeln zusammen gehalten wird. An den gefalteten Händen, trägt er weiße und eng anliegende Handschuhe.                                                                                           Albrecht Dürer hat braune Augen und einen braunen Bart. Seine rotbraune Lockenpracht, fällt ihm bis über die Schultern. Den Kopf hat er leicht gedreht. Sein unmittelbar auf den Betrachter gerichteter Blick, wirkt ernst, tief und etwas nachdenklich. Den linken Arm aus meiner Perspektive gesehen hat er auf einen Fenstersims abgelegt. Dies unterstreicht seine insgesamt recht entspannte Haltung. Im Hintergrund sieht man, wie durch ein offenes Fenster, eine prächtige Berglandschaft. Blauer Himmel, weiße schneebedeckte Gipfel, braungraue Berge und satte grüne Wiesen in den Tälern, durch die ein dunkelblauer Fluss fliest.

Im zweiten Teil meiner Werkbetrachtung, beschäftige ich mich mit der Analyse der Farbe und Komposition. Als Basis für sein Selbstportrait, verwendet Dürer überwiegend unbunte Farben, also schwarz, weiß und grau. Seine Kleidung ist in unbunten Farben gehalten, ebenso der ihn umgebende Raum. Die Berglandschaft im Hintergrund, malte er dagegen mit reinbunten Farben. Das Blau des Himmels und das Grün der Wiesen, dämpfte er mit unbunten Farben. Die Farbkonzeption ist valeuristisch  (vom franz. valeur=Tonwert ) gehalten. Er verwendete feinste Abstufungen einer einzelnen Farbe, in all ihren Helligkeits- und Dunkelheitsgraden, um Licht und Schattenzonen zu betonen.                                                                                                           Dies ist beispielsweise gut an Dürers Untergewand zu erläutern. Betrachtet man es vom linken äußeren Rand bis zum rechten äußeren Rand, so wird aus leuchtendem strahlendem Weiß, ein fast schmutzig wirkendes Grau. Hierdurch erzeugt Dürer den Eindruck, dass er von vorne beleuchtet wird.  Das ist am Schattenwurf der Wand auf die Fensterbank, hinter Dürer deutlich sichtbar. Der Umhang wirkt auf der Schulter schwarzbraun, während er am Unterarm, wie von einer Lichtquelle beschienen, ganz hellbraun leuchtet.                                                                                                                                               Der Malstil ist linear. Die Farbformen sind klar und abgegrenzt. Licht und Schatten vermitteln Plastizität. Das erzeugt Dürer unter anderem an den Zimmerwänden. Diese werden in den Raum hinein immer dunkler und erzeugen so eine räumliche Wirkung. Selbst die Berglandschaft im Hintergrund ist linear dargestellt (Ein Zeichen für Sauber- und Ordentlichkeit ). Das Selbstportrait, wurde mit stark deckendem (einheitliche und durchgängige, den Untergrund abdeckende, Malschicht) aber nicht pastosem Farbauftrag gemalt. Dürers Farbauswahl hält sich sehr genau an die realen Gegebenheiten, durch das verwenden von Lokal- und Erscheinungsfarben. Symbol-und Ausdrucksfarben verwendet er so gut wie nicht, da diese die Realität verwischen würden. Betrachtet man den linken Oberarm, so entsteht Plastizität durch das flächige abdunkeln an den Rändern. Mit dieser Technik, erzeugt Dürer auch den natürlichen Faltenwurf des Gewandes.  Die tieferen Falten oberhalb der schwarzen Armkordel,  entstehen durch unterschiedlich eng nebeneinanderliegende grauschwarze Linien. In Dürers Selbstportrait dominiert der Hell-Dunkel Kontrast. Dieser bezieht sich auf Farbton- Helligkeit- und Sättigung. Die linke Gesichtshälfte Dürers ist heller als die rechte. Ebenso sind links die Haare heller als rechts. Dadurch wirkt er wach und lebendig. Die dunkelbraunen Augen stellen, wie der rote Mund, einen sanften Kontrast zur übrigen Gesichtsfarbe dar. Zu der etwas kühl wirkenden Landschaft im Hintergrund, steht Dürers Gesicht, mit seinen fast rotbraunen Locken, in einem warmen Kontrast.              Zur Komposition möchte ich anmerken, dass Dürer hier mit einfachsten Mitteln Spannung und Dynamik ins Bild brachte. Er wählte das Hochformat und ordnete die Bildelemente Raum, Fenster und Landschaft so an, dass sie die Präsenz des im Vordergrund dominierenden Dürers unauffällig noch verstärken. Die schon beschriebene Farbgebung unterstützt dies zusätzlich. Die gedachte Vertikale, fokussiert den Betrachter auf Dürer, während das scheinbar schräg einfallende Licht von vorne, Dynamik und Lebendigkeit ins Bild bringt.

Ich bin von Dürers Selbstportrait in mehrfacher Hinsicht beeindruckt. Da ist seine feine und sehr genaue Maltechnik, die er einsetzt, um sich selber zum unaufdringlichen aber absoluten Mittelpunkt des Bildes zu machen. Er stellt sich als Edelmann, zu seiner Zeit dar. Er sieht wohlhabend aus. Dies drücken die hell gehaltenen Handschuhe, in denen seine feinen Finger gut erkennbar sind oder die zum Gewand passende Kopfbedeckung aus. Er wirkt gebildet und durch die Farbgebung fast ein wenig „erleuchtet“. Womit, glaube ich,  er seinen hohen Wissensstand  zum Ausdruck bringen will. Trotz all der für die Renaissance typischen Stilmittel ( genaue Darstellungsform, filigrane Malweise, Einbezug der Landschaft, Plastizität&Räumlichkeit, Unterschrift/Signatur der jeweiligen Künstler.. ) wirkt er nicht pompös und abgehoben, sondern eher ruhig und gelassen.  Für einen 26-jährigen, zur damaligen Zeit, war dieses Selbstportrait, sicher eine beeindruckende und beachtliche Leistung. Nach längerem Betrachten, hatte ich den Eindruck, dass Dürer mich nachdenklich und fast traurig anschaut. Er ist zwar ein reicher Mann aber er steht in einem dunklen ungemütlich wirkendem Raum, welcher ihn von der großen, weiten, bunten Welt , die im Hintergrund zu sehen ist, trennt. Geld ist halt eben doch nicht alles…

Letzte Info: Wusstet ihr, dass der Nürnberger Flughafen nach Albrecht Dürer benannt wurde ? Warum wohl…:)?

 

Ich hoffe dieser Beitrag hat euch gefallen :)!  Bis zum nächsten Mal eure

 

Lilz  (Schülerin)

QUELLEN:

1.Link zum Beitragsbild

2.Das Bild ist eine CC-Datei (CCBY-SA3.0).Weitergabe unter gleichen Bedingungen.Urheber: Musee du Prado,MadridCreative Commons Lizenzvertrag

https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Museo_del_Prado?uselang=de

https://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_Dürer

 

Stadtbibliothek Ludwigsburg:

1. Dürer- Meisterwerke im Großformat

2. Albrecht Dürer: Künstler, Werk und Zeit

3. Dürer, Einführung in Leben und Werk

 

 

 

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