Kimko bloggt

Kimko: Das Kunstprofil intermediale Kommunikation in Baden- Württemberg

Der Expressionismus während des 1. Weltkriegs

„Einzig die Farben in ihrem Zusammenhang geben das Erlebnis“ – Ernst Ludwig Kirchner zu seinen Gemälden und die des Expressionismus.

Ernst Ludwig Kirchner wurde am 6.Mai 1880 in Aschaffenburg geboren und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Maler und Grafiker des Expressionismus. Als die Nationalsozialisten viele Kunstwerke brandmarkten und stahlen, wurden auch einige seiner Werke beschlagnahmt. Eines seiner Werke ist das Selbstbildnis als Soldat, welches er im Jahr 1915 fertigstellte. Dieses werde ich euch heute in Form einer Werkbetrachtung näherbringen.

Zuallererst möchte ich euch ein paar Grundinformationen über das von Ernst Ludwig Kirchner erschaffene Bild geben. Das 69,2 x 61 cm große Selbstbildnis als Soldat hat E.L. Kirchner mit Öl auf einer Leinwand gefertigt. Heute hängt es im Allen Memorial Art Museum in Ohio.

Kirchner_-_Selbstbildnis_als_Soldat

Kirchner malte sich selbst als Soldat in Uniform und abgetrennter Hand. Hinten im Bild erkennt man eine weitere Person, die vor einem schwarzen Hintergrund steht. Auf den ersten Blick wirkt das Bild sehr unrealistisch, da die Figuren nicht proportional sind und die Augen sowie der verstümmelte Arm in den Farben blau und grün gemalt wurden. Auf dem Selbstbildnis sieht man Kirchner als verkrüppelter Soldat mit Zigarette im Mund und Soldatenuniform und eine andere, unbekannte unbekleidete Person. Man kann ebenso nicht genau erkennen wo der Soldat sich befindet. Die Blickrichtung kann man auch nicht sicher definieren, aber man kann sagen, dass er nach vorne schaut. Die andere Gestalt blickt vom Betrachter aus gesehen nach links. Den Körper Kirchners sieht man bis zum Bauch, wo das Bild endet.

Kommen wir zur Analyse meiner Werkbetrachtung. In der Analyse werde ich mich auf die Farben konzentrieren und diese genau analysieren, da diese in diesem Werk sehr essenziell für die finale Wirkung sind.

E.L. Kirchner malte ein sehr farbenfrohes und buntes Bildnis. Er nutzte in diesem Bild den koloristischen, bzw. den chromatischen Malstil. Das kann man sehr gut an den vielen reinbunten Farben, wie Gelb, Orange, Rot und Violett, sehen. Die Farbintensität ist hier sehr hoch, durch die reinbunten Farben. Durch die gelbe Haut und die violette Uniform ist der Helligkeitsunterschied auch sehr hoch.

In Kirchners Werk gibt es gleich mehrere Kontraste:

  • Farbe-an-sich-Kontrast (Reinbunte Farben) →Die meisten seiner Werke waren sehr bunt, da er ein Vertreter des Expressionismus war, bei dem man viele Farben nutzte, um das Werk von der Realität abzutrennen und um es so zu gestalten, dass der Betrachter genau versteht, welche Gefühle der Künstler hatte.
  • Hell-Dunkel-Kontrast Kirchner wollte mit dem Kontrast zwischen der gelben Haut und der violetten Uniform vermutlich die SoldatenUniform besonders hervorheben. Außer ihr ist nichts dunkel, bis auf den schwarzen Hintergrund.
  • Warm-Kalt-Kontrast Mit der orangenen Wand, der violetten Uniform, dem roten Fleisch  und der grünen Haut könnte Kirchner gemeint haben, in welchem Konflikt sich die Soldaten des Krieges befinden (grünes Fleisch=die Soldaten müssen im Kampf Härte bzw. Kälte ausstrahlen und gefühllose Taten vollbringen, wie bspw. Gegner töten, während der Mensch doch eigentlich Wärme ausstrahlen sollte und selbst verwundbar ist =Rotes Fleisch).
  • Komplementär-Kontrast Durch die violette Uniform und die gelbe Haut, die grüne Haut und das rote Fleisch lassen sich die vielen ungemischten Farben einzeln hervorheben.

Kirchner mischte mehrere Ausdrucksfarben ein. Normalerweise ist Haut nicht gelb oder Augen sind nicht vollflächig blau. Die Haut machte er eventuell gelb um im chromatischen Stil zu bleiben, denn normale Hautfarbe würde nicht unter die reinbunten Farben passen. Mit den komplett blauen Augen wollte er eventuell Hoffnung und Unendlichkeit ausdrücken, was auf den Krieg hindeuten könnte.

Kirchner benutzte dem Expressionismus entsprechend den Malerischen Stil. Das erkennt man daran, dass keine deutlichen Körperumrisse zu sehen sind. Man könnte meinen, dass alles ineinander übergeht. Doch sieht man noch deutlich wo etwas endet. Er trug die Farben auch durchaus deckend auf die Leinwand auf. Am Ende lässt sich sagen, dass die vielen Kontraste das Bildnis dynamisch wirken lassen, was das Bild sehr spannend macht.

Damit kommen wir zum abschließenden Teil der Werkbetrachtung, der Interpretation.

Kirchner möchte uns mit diesem Bild höchstwahrscheinlich zeigen, wie grausam der Krieg ist und stellte sich daher mit abgetrennter Hand dar und nutzte die Farben auch dazu, bestimmte Dinge wie den Arm hervorzuheben. Da er selbst im 1.Weltkrieg als freiwilliger Soldat kämpfte, hatte diese Erfahrung sicherlich einen großen Einfluss auf seine zukünftigen Werke. Obwohl er das Bild schon am Anfang, also ein Jahr nach Kriegsbeginn, malte, war er sicher stark von dem Krieg beeinflusst. Da er aber ein großer Maler des Expressionismus war, steckte er diese Gefühle und Emotionen in farbenreiche Werke, wie das Selbstbildnis als Soldat. Was an sich aber ein starker Widerspruch ist. Ich denke sein Ziel war es, den Betrachter zum Nachdenken zu bringen.                                                                                                                                               Als die Nationalsozialisten seine Werke 1937 als entartet brandmarkten, war sein Leben zerstört. Alles, was er geschaffen hatte, war dahin. Das war sicher auch ein Grund, weshalb er sich ca. ein Jahr später selbst tötete.

Das war es auch schon wieder von meiner Seite, falls ihr noch Fragen zu dem Thema hättet, bin ich bereit euch in den Kommentaren gerne zu helfen.

Bis bald, KSR (Schüler)

Bildquelle: Von Ernst Ludwig Kirchner – repro from art book, Gemeinfrei, Link

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Advertisements

Hier kommentieren!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Artikel zu erhalten.

Schließe dich 66 Followern an

Dejan Mihajlovic

BILDUNG VON MORGEN HEUTE SCHON DENKEN

Projekt-Ratgeber

Projekte können nützlich und erfolgreich sein. Erfahrungen helfen.

Learning by Moving

Zweijähriges Tanzprojekt des Theater Freiburg mit der Vigelius-Grundschule

kunstkrempel

kunst und krempel und die möglichkeiten und unmöglichkeiten von schule und kunst und anderem krempel

Histoproblog - Geschichte macht Schule

Lernplattform für das Fach Geschichte - vielen Dank für über 1,6 Mio. Aufrufe!

Kimko bloggt

Kimko: Das Kunstprofil intermediale Kommunikation in Baden- Württemberg

LernenHeute.blog

Lernen und Unterrichten in der Berufsschule

Schule Social Media

Blog von Philippe Wampfler

LernLabBerlin

Praxistag für mobiles Lernen im EduCamp13

%d Bloggern gefällt das: