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Madonna im Paradies – ein gotisches Bildnis

Schön dass ihr wieder da seid!
Habt ihr euch auch schon mal ein Madonnen-Bild zum Beispiel bei einem Besuch in einer Kathedrale genauer betrachtet? Es ist erstaunlich, was alles dahinter steckt, das auf den ersten Blick gar nicht zu sehen ist. Ich habe mich mit einem sehr berühmten Bildnis von Stefan Lochner  (* um 1400 bis 1410, †1451) beschäftigt und möchte euch heute an meinen Betrachtungen und Interpretationen teilhaben lassen. Stefan_Lochner_Madonna_im_Rosenhag.jpg
Wenn ich das Bild betrachte, das ihr oben seht, fallen mir als erstes diese Beschreibungen ein: kostbar, religiös, friedlich, harmonisch, anbetend, paradiesisch, ehrfurchtsvoll, kindlich, lehrreich, geborgen und zufrieden.
Stefan Lochner ist der Künstler des Bildes, das ich betrachte. Der Titel lautet „Madonna im Rosenhag“. Stefan Lochner malte um 1448 dieses Gemälde, welches 51 x 40 cm groß ist, mit einer Mischtechnik auf Holz.
Auf dem Bild ist Madonna (Maria) mit ihrem Kind zu sehen. Die beiden sind umgeben von beflügelten Engeln.

Der zentrale Mittelpunkt des Bildes zeigt Maria in einem blauen Gewand. Sie trägt eine Brosche, auf dem Kopf befindet sich eine Krone und über dieser strahlt ein Heiligenschein. Ihr Blick fällt auf das Jesuskind, welches auf ihrem Schoß sitzt. Das Jesuskind ist nackt. Ebenso wie Maria trägt Jesus einen Heiligenschein. Der Blick in ihre Gesichter lässt sehr junge Gesichtszüge erkennen. Sie wirken schon fast kindlich.            In seiner Hand hält er einen roten Apfel. Maria und Jesus sitzen auf einem roten Kissen, das auf einem grünen Rasen, der mit Erdbeeren bedeckt ist, liegt. Dadurch ist das rote Kissen nur leicht hinter Maria zu sehen. Maria sitzt angelehnt an eine Rasenbank.
Im Vordergrund sind auf jeder Seite je zwei Engel zu sehen, die musizieren. Der Engel links vorne trägt ein gelb-blaues Gewand und schaut zu Maria auf, während er die Handorgel spielt. Direkt dahinter sitzt ein Engel in einem rot-grünen Gewand mit geöffneten Flügeln, der die Laute spielt und die blonden Locken nach hinten trägt. Der Engel rechts vorne trägt ein rotes Gewand, während er zu Maria gedreht die Harfe spielt, wobei seine Flügel nahe beieinander nach hinten abstehen. Sein Blick dient der Harfe. Der Engel rechts hinten trägt ein gelbes Kleid mit blau geöffneten Flügeln. Sein Blick geht gerade nach vorne, während er ebenfalls die Laute spielt.
Hinter Marias rechtem Arm (von vorne links) sitzen drei Engel, deren Blicke zu Maria gehen. Sie tragen gelbe, blaue und rote Gewänder. Rechts hinter Jesus (also bei Marias linkem Arm) stehen vier Engel, wobei drei deutlich sichtbar sind, der dritte aber vom hinteren verdeckt wird. Sie tragen weiße, blaue, gelbe und rote Gewänder. Der vorderste Engel hält mit seiner linken Hand eine Schale mit Äpfeln fest, während er mit seiner rechten Hand Jesus einen Apfel reicht.
Im Hintergrund ist ein rostiges Gestell zu sehen, auf dem Rosenranken wachsen. Dahinter sieht man einen goldenen Hintergrund. Oben links in der Ecke ist ein blauer Engel zu sehen, der genau wie der in der rechten Ecke den Vorhang, der rot-golden ist, zur Seite hält. Auch ihre Blicke sind auf Maria und Jesus gerichtet. Oben mittig ist in einer sonnenartigen Kugel ein Mann mit Bart in rotem Gewand zu sehen, der eine Taube fliegen lässt. Hinter ihm sind viele Gesichter mit goldenen Locken sehen. Von der sonnenartigen Kugel aus fallen unzählige Strahlen.

Die regelmäßige Anordnung der Engel im Vordergrund, als auch oben links und rechts, verleihen dem Bild ein Gleichgewicht (blau). Auch das symmetrische Gestell, worauf die Rosen wachsen, erzeugt Ruhe, genau wie die kreisförmigen Heiligenscheine von Maria und Jesus. Die Körperhaltung Marias und Jesus ist aufrecmaria.pnght und wirkt mit dem Element der Vertikalen ruhig.

Ganz im Gegensatz dazu bewirken die Körperhaltungen der Engel eine gewisse Dynamik,(rot) die das Bild aufregender gestaltet. Ebenso die ovale Brosche. Von dem oberen Mittelpunkt gehen diagonale Linien in alle Richtungen, die das Bild spannender machen. Auch die schrägen Blickrichtungen von Maria zu Jesus, sowie die Blickrichtungen der Engel und deren schräge Flügel erzeugen Spannung.

Der Betracherstandpunkt zeigt das Bild en face (von vorne, also genau davor). Dies bewirkt eine erhabene und edle Erscheinung Marias, die auch durch das Größenverhältnis der im Bild zu sehenden Wesen verstärkt wird. Die Engel sind alle viel kleiner als Maria und müssen daher zu ihr aufschauen. Dies verbreitet eine ehrfurchtsvolle Atmosphäre. So ist Maria mit Jesus der von allen betrachtete Mittelpunkt. Der Ort, an dem das Bild gemalt ist, ist ein Garten. Ein Garten kann etwas Privates, aber auch etwas Öffentliches sein.
Das Bild ist von vielen Farbkontrasten geprägt:
1. Der gelb-goldene Hintergrund bildet einen Kalt-Warm-Kontrast mit den grünen Blättern der Rosen. Durch den überwiegenden goldenen Hintergrund wirkt das Bild, da die Farbe Orange-Gold für die warmen Farben steht, warm.

2. Das blaue Gewand und der goldene Schein bilden einen Komplementärkontrast, wie auch die roten Gewänder zweier Engel mit dem grünen Gras.

3. Die Engel in den golden-gelben Kleidern erzeugen ebenfalls einen Komplementärkontrast zu ihren blauen Flügeln, die sich wiederum mit dem goldenen Hintergrund kontrastieren.
Für die Darstellung von Raum hat Stefan Lochner folgende raumbildende Mittel benutzt:
1. Bildaufbau:
Weiter oben liegende Dinge wirken entfernter als untenliegende Dinge.
Auch die Engel weiter oben, z.B. hinter der Rasenbank wirken entfernter als die weiter unten.

2. Überschneidung:
Vorne liegende Gegenstände verdecken dahinterliegende.
Auch in diesem Bild verdecken z.B. Maria und Jesus einen Teil des Rosengestell oder der Engel.

3. Licht und Schatten:
Licht und Schatten lassen Körper plastisch erscheinen.
Das Gewand Marias wurde z.B. durch Schatten plastisch gestaltet.

Viele Elemente im Bild haben Bedeutungen, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind:
Der Apfel in der Hand des Kindes steht als Sinnbild der Überwindung der Erbsünde durch den Kreuzestod Christi da.
Am Flügel des hinteren Engels auf der linken Seite kann man eine Pfauenfeder erkennen. Die Pfauenfeder steht in der Bibel symbolisch für Auferstehung und mit ihren 1000 Augen für die Allwissenheit Gottes.
Die drei Engel auf der linken Seite stellen die göttliche Dreifaltigkeit da. Die drei steht in der biblischen Zahlensymbolik für den Himmel. Die vier Engel auf der rechten Seite symbolisieren die vier Elemente Wasser, Himmel, Erde und Luft, sowie die vier Himmelsrichtungen und Jahreszeiten. Die vier steht in der biblischen Zahlensymbolik für das Welt Symbol für die sichtbare Welt, also für die Erde.
Gemeinsam ergeben die Engel links und rechts von Maria und Jesus die Zahl 7. Diese Zahl verbindet den Himmel und die Erde und steht für das vollständige denn in der Schöpfungsgeschichte steht, dass Gott die Welt an sechs Tagen schuf, am 7. Tag aber ruhte.

Die schräge Kopfhaltung Marias ist in vielen Marienbildnissen erkennbar. Sie steht für die Jungfräulichkeit. Die weiße Taube oben im Bild symbolisiert den Heiligen Geist. Eine Verbindung vom Ehrlichen zum Himmlischen wird durch Jesus Apfel in der Hand und der Handlung des Engels, Jesus noch einen Apfel zu reichen, erkennbar.

Marias Himmelskrone ist ein Zeichen für ihre königliche Würde. Maria ist die heilige, verehrte Frau des Katholizismus. Die Brosche zeichnet genau den Bildmittelpunkt. Auch die Erdbeeren auf dem Boden, worauf Maria sitzt, sind oftmals verwendete marianische Symbole, die die Jungfräulichkeit und Passion Christi durch die Farbe Rot ausdrücken. Die Rosen sind eines der wichtigsten Symbole in diesem Bild. Vor dem Sündenfall, so sagt man, hatte die Rose noch keine Dornen. Da Maria nicht von der Erbsünde betroffen ist, wird sie auch die Rose ohne Dornen, also Madonna im Rosenhag genannt.

Wo ist nun die „Madonna im Rosenhag“ in der gotischen Malerei einzuordnen?
Die Themen der gotischen Malerei lauteten:
• Höfisches Leben
• Jagdszenen
• Portraits
• Biblische Darstellung
Das Bild „Madonna im Rosenhag“ widmet sich dem Thema der „biblischen Darstellung“.

Gemalt wurde in der gotischen Malerei auf folgendem Material:
• Glas
• Leinwänden
• Tafelbildern
• Holz
Auf das Bild, welches ich betrachte trifft letzteres zu.

Als Technik wurden oftmals Tempera, eine Mischtechnik, Öl oder die Druckgrafik angewandt. Die Madonna im Rosenhag wurde mit einer Mischtechnik angefertigt.
Durch dieses Bild trägt der Künstler, also Stefan Lochner seinen Glauben aus. Gemälde sind für alle zugänglich, die Symbole auf diesem sind klar und verständlich, so bleibt auch das Geschehen erkennbar und durch die bildliche Darstellung länger in Erinnerung.

Insgesamt symbolisiert das Bild durch all seine Elemente und dessen Bedeutungen vor allem durch den goldenen Hintergrund und den Ort (Garten) ein himmlisches Paradies, so wie die Menschen es sich vorgestellt haben.

Diese Bildbetrachtung und Bildanalyse hat mir Spaß gemacht und mein Interesse an der damaligen Zeit geweckt. Außerdem ist mir klar geworden, dass Künstler sich bei ihren Arbeiten viele Hintergedanken machen und die Bilder immer auch einen privaten Teil des Künstlers ausdrücken.

Vielleicht hat das Lesen dieses Blogartikels euch auch gefallen und euch inspiriert.

Bis zu nächsten Mal!!

 

Quellen:

http://www.rp-online.de/kultur/die-muttergottes-des-meisters-stefan-aid-1.4797331

http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/L/Seiten/StefanLochner.aspx

http://www.wallraf.museum/sammlungen/mittelalter/meisterwerke/stefan-lochner-die-muttergottes-in-der-rosenlaube/das-meisterwerk/

https://prezi.com/lybu6o8qld7t/maria-im-rosenhag/

Autor: SwSh (Schülerin)

Beitragsbild: Stefan Lochner, „Madonna im Rosenhag“ unter : https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/72/Stefan_Lochner_Madonna_im_Rosenhag

 Quelle für die Kompositionsskizze: verändert nach Stefan Lochner, „Madonna im Rosenhag“ https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/72/Stefan_Lochner_Madonna_im_Rosenhag

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Juni 3, 2017 von in Sonstiges.

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